Im kleinen Leichtathletik-Stadion an der Cantianstraße beginnt der Mauerweglauf, hier endet er auch. Die beiden ersten 100Meilen-Läufe hatten ihren Start-Ziel-Bereich noch im Berliner Stadtteil Kreuzberg in der Lobeckstraße. Seit 2014 hat die Veranstaltung aber ihre neue Heimat im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Stadtteil Prenzlauer Berg gefunden. Einerseits aus Kapazitätsgründen, aber auch wegen der Nähe zum Mauerweg. Diesen erreichen wir nur wenige Minuten nach Verlassen der Tartanbahn, nachdem wir zuvor das alte Jahn-SBrücketadion und die Max-Schmeling-Halle links liegen gelassen haben.

Der Mauerweg ist flach? Zumindest überwiegend. Aber die eine oder andere Welle hat er dann doch, wie kurz nach dem ersten Kilometer den Schwedter Steg. Eine moderne Brückenkonstruktion, die hinauf zur Behmbrücke führt. Keine Sorge, nur eine leichte Steigung! Die dann folgende Brücke steht wie kaum ein anderes Viadukt auf dieser Strecke für den historischen Hintergrund dieses Laufs: Die Bornholmer Brücke, die eigentlich Bösebrücke heißt. Hier befand sich der Grenzübergang Bornholmer Straße, an dem sich am 9. November 1989 erstmals die Mauer für die Menschen im Osten öffnete. Wo einst die Grenzbeamten kontrollierten, steht heute ein Supermarkt.

Bernauer

Die nachfolgenden Kilometer haben noch immer den Charakter einer Großstadt. Unvorstellbar, dass sich die Mauer mitten durch die Häuserschluchten zog! Vorbei geht´s an Wohnhäusern und kleineren Geschäften. Der Untergrund wechselt – mal Asphalt, mal Kopfstein, dann wieder Steinplatten. Die eine oder andere Ampel kann hier durchaus Bremswirkung entfalten, aber spielt Zeit jetzt überhaupt eine Rolle?

Eine Besonderheit stellte der S-Bahnhof Wollankstraße (Km 4) dar: Zu Mauerzeiten befand sich der Bahnhof auf DDR-Gebiet, war aber nur vom Westen her zugänglich, weil die S-Bahn zum West-Berliner Liniennetz gehörte. Die Zugänge auf der Ostseite waren – logischerweise – gesperrt.

HorstAb etwa Km 6 führt der Weg ein ganzes Stück geradeaus, etwa drei Kilometer parallel zur S-Bahn. Immer wieder begegnen uns Gedenkstelen oder Kreuze in Erinnerung an Maueropfer, mal deutlich sichtbar, mal versteckt. Wie das Kreuz zu Ehren von Horst Frank, der 1962 bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. Im weiteren Verlauf der Strecke sind auf der rechten Seite teilweise noch die alten Gebäude der Borsig-Werke zu sehen, deren Fenster und Türen zugemauert waren, um Fluchtversuche zu verhindern.

Ein westliches Pendant zum Ost-Berliner Marzahn (wenngleich auch viel kleiner) ist das „Märkische Viertel“, an dessen Hochhäusern sich der Mauerweg nun vorbeischlängelt. Es folgt Rosenthal mit dem alten Friedhof in unmittelbarer Nähe zur früheren Grenze. Beerdigungen fanden bis zum Mauerfall aus Sicherheitsgründen nur bei Tageslicht statt.

Friedhof

Kurz nach Rosenthal weisen uns die Schienen der nostalgischen Heidekrautbahn den Weg, die ab und an noch aus besonderen Anlässen verkehrt. Nach der Anhöhe bei Lübars (zweiter Verpflegungspunkt bei Km 12) kommen Naturliebhaber mit dem „Tegeler Fließ“ auf ihre Kosten. Rechter Hand in der Talsenke liegt der Köppchensee, der durch Torfabbau entstand und zu Mauerzeiten teilweise zugeschüttet war. Auf diesem Streckenabschnitt ist Vorsicht geboten, denn Wurzeln haben den Asphalt des früheren Patrouillenwegs nach oben gedrückt und könnten durchaus zur Stolperfalle werden.

Bodenwelle

Bei Km 15 an der Kurzen Straße (wirklich nur etwa 100 Meter kurz) ist die nächste Siedlung erreicht: Glienicke/ Nordbahn, das zu Brandenburg gehört. Wenige Augenblicke später, in der Alten Schildower Straße, überqueren wir den Kopfsteinpflaster-Streifen, der in ganz Berlin den früheren Mauerverlauf markiert. Eben noch in Brandenburg, jetzt in Berlin-Hermsdorf. An der Berliner Straße macht die Strecke einen Rechtsknick. Auf dem Radweg parallel zur B96 nähern wir uns langsam Frohnau und damit auch Km 20, bevor wir in einen dunklen Wald eintauchen…

Mehr dazu dann demnächst in unserer zweiten Folge! Vom finstren Wald bis zum früheren Grenzturm Nieder Neuendorf.