Nach Erkenntnissen der Stiftung Berliner Mauer kamen zwischen 1961 und 1989 mindestens 138 Menschen an der früheren Grenze ums Leben, darunter 100 DDR-Bürger bei Fluchtversuchen. Der Mauerweglauf erinnert an diese Menschen und Schicksale. Aus diesem Grund trägt auch die Finisher-Medaille jedes Jahr das Konterfei eines Maueropfers. Nachfolgend eine Übersicht der bisher beim Mauerweglauf gewürdigten Menschen.

2011 – Chris Gueffroy

Chris Gueffroy war das letzte Opfer, das durch den Einsatz von Schusswaffen an der Mauer ums Leben kam. Das war in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989. Von einem befreundeten Grenzsoldaten hatte Chris erfahren, dass der Schießbefehl aufgehoben sei, was sich jedoch auf tragische Weise als falsch herausstellte. Bei seinem Fluchtversuch am Britzer Verbindungskanal wurde er von zwei Kugeln getroffen, eine davon traf sein Herz. Chris starb noch im Grenzstreifen. Seine Mutter Karin Gueffroy überreichte den Finishern beim ersten Mauerweglauf die Medaille, die das Porträt ihre Sohnes trug.

2013 – Günter Litfin

IMG_1747Er war der erste DDR-Bürger, der bei einem Fluchtversuch durch Schüsse getötet wurde. Ein ehemaliger Grenzturm beherbergt heute eine Gedenkstätte, die an sein Leben und Schicksal erinnert. Unweit des Turms, in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs, wurde Günter Litfin am 24. August 1961 im Alter von nur 24 Jahren erschossen.

2014 – Peter Fechter

Die Bilder seines Schicksals gingen um die Welt. Am 17. August 1962 wurde Peter Fechter in der Nähe des Checkpoint Charlie von insgesamt 35 Kugeln getroffeIMG_0357n. Der schwerverletzte Fechter blieb im Grenzstreifen liegen, niemand wollte oder konnte ihm helfen. Er verblutete und starb schließlich im Krankenhaus. An jener Stelle in der Zimmerstraße, an der Peter Fechter erschossen wurde, legten die Teilnehmer des Mauerweglaufs 2014 rote Rosen nieder

2015 – Marienetta Jirkowsky

Der Mauerweglauf 2015 erinnerte an Marienetta Jirkowsky. „Micky“ wurde am 22. Nove80_11_22_Jirkowskymber 1980 bei einem Fluchtversuch zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau von Gewehrkugeln der DDR-Grenztruppen getroffen. Sie erlag wenig später im Krankenhaus ihren schweren Schussverletzungen. Marienetta wurde 18 Jahre alt. Vom Tod seiner Tochter erfuhr Marienettas Vater erst zwei Tage nach den Schüssen. Der Familie wurde nicht gestattet, eine Todesanzeige zu veröffentlichen. Außerdem wurde die Beerdigung fast komplett von Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit abgeschirmt.

2016 – Karl-Heinz Kube 

Karl-Heinz Kube wurde am 10. April 1949 in Ruhlsdorf bei Berlin geboren. Zusammen mit seinem 18-jährigen Freund Detlev schmiedet Karl-Heinz Fluchtpläne. Beide wollen in Kleinmachnow einen Weg in den Westen suchen. Am 16. Dezember 1966 ist es soweit: Ausgerüstet mit Seitenschneidern überwinden sie zunächst erfolgreich die ersten Sperranlagen. Am letzten Zaun werden Karl-Karlheinz-Kube-kleinerHeinz und Detlev von einer Streife der Grenzsoldaten entdeckt. Beide retten sich zunächst in einen Graben, wo sie jedoch in das Schussfeld einer zweiten Streife geraten. Während Detlev unverletzt bleibt und festgenommen wird, treffen Karl-Heinz Kugeln in die Brust und in den Kopf. Die Todesschützen werden kurz nach der Tat mit der „Medaille für vorbildlichen Grenzdienst“ beziehungsweise mit dem „Leistungsabzeichen der Grenztruppen“ dekoriert.

2017 – Dorit Schmiel

Dorit Schmiel, von Freunden auch „Dorle“ genannt, wird im Kriegsjahr 1941 in Berlin geboren. Sie wächst im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow auf, lernt den Beruf der Schneiderin und arbeitet in einem volkseigenen Betrieb. Mit dem Bau der Mauer 1961 wachsen Unmut und Unzufriedenheit, ein Jahr später beschließt sie gemeinsam mit Freunden, die DDR zu verlassen. Meldungen von geglückten Fluchtaktionen – unter anderem die eines Cousins – bestärken Dorit in der Absicht, ebenfalls die Flucht zu wagen. In der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1962 ist es soweit: Im Pankower Ortsteil Rosenthal nähern sich die fünf Freunde der mit Stacheldraht gesicherten Grenze, auf der anderen Seite liegt der West-Berliner Bezirk Reinickendorf. Mit einer Drahtschere schneiden sie zunächst ein Loch in den ersten Zaun, kriechen danach durch Matsch und Schnee gen Westen. Kurz vor Erreichen der beiden letzten Zaunreihen beginnt das Drama, die Flüchtenden werden von Grenzposten entdeckt. Ohne Vorwarnung wird das Feuer eröffnet. Dorit wird dabei von einer Kugel in den Bauch getroffen, auch einer ihrer Freunde wird verletzt. Dorit blutet stark, weint vor Schmerzen. Im Volkspolizei-Krankenhaus in Berlin-Mitte, in das sie gebracht wird, erliegt Dorit ihren schweren inneren Blutungen. Die anderen Flüchtlinge werden von einem DDR-Gericht zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt. Die an der Tat beteiligten Grenzsoldaten werden nach der „Wende“ zu Freiheitsstrafen verurteilt, diese jedoch zur Bewährung ausgesetzt.