Wer die Natur liebt, vor allem jede Menge Wald, ist auf dem nördlichen Abschnitt des Mauerwegs genau richtig. So wie zwischen Kilometer 40 und 60, also vom früheren Wachturm in Nieder Neuendorf bis nach Spandau. Keine Ahnung, wer irgendwann mal Walddie Story vom flachen Mauerweg verbreitet hat. Natürlich gibt´s auch immer wieder längere, ebene Passagen, aber die Hügel und Wellen zwischendurch sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das gilt vor allem für jene Aspiranten, die sich eine Teilnahme im kommenden Jahr (2016) überlegen. Dann kann das wellige Profil gerade in diesem Abschnitt zwischen Spandau und Nieder Neuendorf ordentlich Kräfte zehren. Bei der 2015er-Ausgabe werden aber die meisten Teilnehmer wohl noch frisch und ausgeruht sein, also alles kein Problem…

Gleich nach dem ehemaligen Wachturm Nieder Neuendorf kann man noch Spuren der früheren Grenzbefestigung entdecken, die leider immer seltener IMG_2562werden, nämlich einige Stücke des ehemaligen Metall-Grenzzauns. Zwar nicht mehr in der Originalhöhe, aber immerhin. Kurz nach Km 41, vor der so genannten „Bürgerablage“, einem kleinen und beliebten Sandstrand an der Havel, stoßen wir auf eine Besonderheit, die es so auch nur an der Berliner Mauer gegen konnte: Die Kleingartenanlage Erlengrund. Die gehörte zum Westteil von Berlin, war aber völlig von DDR-Gebiet umschlossen. Wer zu seinem Grundstück wollte, musste an der Mauer erst mal an einem Durchgangstor klingeln und wurde dann zu seinem Garten gelassen. Den „Erlengrund“ gibt es noch, aber zum Glück keine Einlasskontrolle mehr.

Ein paar Kilometer weiter, bei Km 48, gelangte eine andere West-Berliner Fast-Exklave ebenfalls zu einiger Bekanntheit, nämlich die Siedlung Eiskeller, Berlins kältester Punkt. Nur ein schmaler Weg verband die kleine Bauernsiedlung mit dem Westen, drumherum war Jungequasi DDR. Für Schlagzeilen sorgte 1961 ein Schüler, der behauptete, er sei auf dem Weg vom Eiskeller zur Schule von DDR-Volkspolizisten angehalten worden und deshalb nicht zum Unterricht erschienen. Britische Soldaten brachten den Jungen fortan mit einem Panzerspähwagen zur Schule. Über 30 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schüler die Geschichte erfunden hatte, um die Schule zu schwänzen.

Ab Kilometer 52 und dem neunten Verpflegungspunkt an der Spandauer Straße/ Falkenseer Chaussee beginnt Spandau, ein Stadtteil von Berlin. Echte Spandauer würden so etwas nie schreiben, da sie sich immer noch als eigenständig betrachten. Mehrere breite und viel befahrene Straßen werden hier in Spandau überquert. Bitte besonders vorsichtig sein und – falls Spurensuchevorhanden – unbedingt die Ampelanlagen nutzen und auch beachten! Nach dem Überqueren der Heerstraße sieht man links den 87 Meter hohen Hahneberg, rechts ist das alte, gleichnamige Fort. Wieder wird die Strecke einigermaßen wellig mit kleinen knackigen Anstiegen. Der kluge Mauerwegläufer geht hier, dem schnellen Zeitgenossen wird dieser Hinweis egal sein, was auch okay ist… 😉 Zumal es ein paar Meter nach Km 58 schon die nächste Verpflegung gibt, wie im Vorjahr in der Kleingartensiedlung Karolinenhöhe. Die Gartenfreunde haben den VP dankenswerterweise von Familie Pletscher übernommen, die von Anfang an beim Mauerweglauf dabei war, inzwischen aber leider Berlin verlassen hat.

Gleich nach den Kleingärtnern knickt der Mauerweg rechts auf die Potsdamer Chaussee ab (Vorsicht beim Überqueren!) und verläuft dann parallel zur Straße. Wie es hier weitergeht, verraten wir in der nächsten Folge des 100Meilen-Guide…