Die Staffel-Beauftragte im Mauerweglauf-Team, Andrea Neß, über den Spaß, die 100Meilen im Team zu laufen.

„Wieso soll ich mir das antun?“ Das war die sehr spontane Reaktion einer 10km-Hobbyläuferin auf meine Frage zur möglichen Mauerweglauf-Staffel-Teilnahme eines renommierten Berliner Leichtathletikvereins. Verdutzt blickten der Trainer und ich sie an und wir reagierten unisono mit einem ungläubigen „Wieso denn nicht?“, was die sonst sehr laufambitionierte Dame allerdings auch nicht wirklich überzeugen konnte. Jetzt galt es, erfolgreich Argumente zu liefern, und so begann die Mission „Staffel“.

Staffelläufe sind spannend. Und sie sind beliebt. Nicht ohne Grund finden diese bei Leichtathletikwettkämpfen als Höhepunkte erst am Schluss der Veranstaltung statt. Wer wird gewinnen? Verliert gar jemand den Staffelstab? Am Ende freut sich ein ganzes Team über den Sieg, den es gemeinsam errungen hat. Bei den Staffeln der 100MeilenBerlin ist es ähnlich, wenngleich es keinen Staffelstab gibt. Auch treten die wenigsten Mannschaften an, um wirklich den Sieg zu erringen, obwohl es bei 25 Staffeln pro Wettbewerb große Chancen auf eine gute Platzierung gibt. Vielmehr geht es aber um das Wir-Gefühl, die Gemeinschaft und das Bewusstsein, etwas Großes zu erreichen, an welchem jeder Einzelne seinen Anteil hat. Und das auch noch bei einer Veranstaltung mit geschichtlichem Hintergrund. Das Mitfiebern mit den Teampartnern, die auf der Strecke sind, der gemeinsame Zieleinlauf nach 160,9 km, der Triumph, es wirklich geschafft zu haben, gekrönt durch die abschließende, feierliche Siegerehrung – einfach unbezahlbar!

Doch, wer läuft da eigentlich? Die Antwort ist so vielfältig, wie es Läufertypen gibt. Durch die unterschiedliche Verteilung der 2er-, 4er- und 10Plus-Staffeln ist für jeden eine passende Distanz dabei. Zum Beispiel für Ultraläufer, die sich noch nicht an die kompletten 100 Meilen wagen oder die 2er-Staffel als Training für größere Ziele nutzen wollen. Für Marathonläufer, die sich über die magischen 42,195 km hinauswagen möchten oder einen langen Lauf zur Vorbereitung auf den (Berlin-)Marathon benötigen, sind bei der 4er-Staffel genau richtig. Und wer sonst seine Lieblingsläufe auf Distanzen zwischen 5 und 21 Kilometern findet, der hat bestimmt Spaß in einer der 10Plus-Staffeln. Also los!

Meistens finden sich die Teammitglieder im Freundeskreis zusammen. Oder im Verein. Auch gleichgesinnte Arbeitskollegen treten miteinander an. Einfach mal umhören! Oder man sucht seine Mitläufer in der Mauerweglauf-Staffelbörse. Vielleicht ist man aber auch selbst der/die Gesuchte?

Andere sind da noch kreativer. Wie z.B. Bianca aus Herford. Sie stellt eine Weight Watchers 4er-Staffel auf die Beine. Lauffreudige können sich für das Team ¨bewerben¨ und gemeinsam nimmt man dann im August teil. Tolle Idee, wir sind gespannt!

Besonders freuen wir uns über insgesamt drei gemeldete Inklusionsstaffeln des Sportclubs der Lebenshilfe Berlin e.V. und der Karower Dachse. Wo lässt sich mehr Gemeinsamkeit und Zusammenhalt (er-)leben als hier, wo sich behinderte und nicht-behinderte Sportler die Strecke teilen? In diesem Jahr u. a. mit am Start und in einer 4er-Staffel vertreten: Verena Bentele, Paralympics-Star und Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Die blinde Läuferin und zwölffache Goldmedaillengewinnerin für Deutschland im Biathlon und Skilanglauf bei den Paralympischen Spielen, stellt sich damit einer völlig neuen Herausforderung.

Auch international wird es diesmal im Staffelwettbewerb zugehen: Wir freuen uns über die Anmeldung einer dänischen 2er-Frauenstaffel. Auch aus Italien erreichen uns Anfragen zur Teilnahme. Noch läuft die Anmeldung bis zum 15. Juni. Und schon jetzt machen die Namen einiger Teams neugierig auf die Mannschaften und ihre Teammitglieder: „Mauersegler“ und „Mauerwegschleicher“. „Stars & Sternchen“ und „Pittiplatsch & Schnatterinchen“. Die „schnellen Hellen der Meierei Potsdam“ laufen mit der „Gurkentruppe“ und den „Golden Girls“. Einfach genial!

Ich persönlich würde mich ja noch über eine UNION-Staffel freuen, die dann natürlich gegen eine HERTHA-Staffel antritt. Oder wie wäre es mal mit einer „Alliierten-Staffel“ bestehend aus Franzosen, Briten, Russen und Amerikanern? Das muss doch in Berlin möglich sein?! Was ist mit Berufsgruppen? Wer ist schneller als die „Berliner Feuerwehr“? Und wo sind die „Rasenden Reporter“ oder die Staffel bestehend aus Verwaltungsmitarbeitern, die das Klischee vom Beamtenmikado einfach weglaufen… Traumhaft wäre auch eine Familienstaffel, in der die Generationen miteinander an den Start gehen. Es wird vielleicht nicht gleich eine 10Plus-Staffel werden, aber lassen wir uns einfach überraschen, denn noch ist ja Zeit. Und Läufer können sehr kreativ sein, davon bin ich überzeugt. Nur mit dem Training dafür sollte man jetzt schon langsam anfangen und natürlich mit der Anmeldung. Erinnern und Gedenken. Dabei sein. Spaß haben. Ein Ziel erreichen. Und das alles gemeinsam. So einfach kann das sein…

Die Autorin dieses Artikels, Andrea Neß, gehört seit diesem Jahr dem Orga-Team des Mauerweglaufs an. Die ebenfalls begeisterte Läuferin ist verantwortlich – das war deutlich herauszulesen – für die Staffelwettbewerbe. Und wer Fragen rund um das Thema hat, kann sich gerne jederzeit an Andrea wenden: 

staffel@100Meilen.de