Mindestens 138 Menschen kamen an der Berliner Mauer ums Leben. Ihre Namen und Gesichter sind nicht vielen mehr bekannt, schließlich liegt der Tod der „Maueropfer“ meist etliche Jahrzehnte zurück. Ihre Schicksale wieder in Erinnerung zu rufen, ist ein Anliegen des Mauerweglaufs. Und so werden die 100MeilenBerlin in jedem Jahr einem anderen Opfer gewidmet. 2017 wird Dorit Schmiel geehrt, die 1962 bei einem Fluchtversuch ums Leben kam.

Dorit Schmiel (Foto: Polizeihistorische Sammlung)

Dorit Schmiel, von Freunden auch „Dorle“ genannt, wird im Kriegsjahr 1941 in Berlin geboren. Sie wächst im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow auf, lernt den Beruf der Schneiderin und arbeitet in einem volkseigenen Betrieb. Mit dem Bau der Mauer 1961 wachsen Unmut und Unzufriedenheit, ein Jahr später beschließt sie gemeinsam mit Freunden, die DDR zu verlassen. Meldungen von geglückten Fluchtaktionen – unter anderem die eines Cousins – bestärken Dorit in der Absicht, ebenfalls die Flucht zu wagen. In der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1962 ist es soweit: Im Pankower Ortsteil Rosenthal nähern sich die fünf Freunde der mit Stacheldraht gesicherten Grenze, auf der anderen Seite liegt der West-Berliner Bezirk Reinickendorf. Mit einer Drahtschere schneiden sie zunächst ein Loch in den ersten Zaun, kriechen danach durch Matsch und Schnee gen Westen. Kurz vor Erreichen der beiden letzten Zaunreihen beginnt das Drama, die Flüchtenden werden von Grenzposten entdeckt. Ohne Vorwarnung wird das Feuer eröffnet. Dorit wird dabei von einer Kugel in den Bauch getroffen, auch einer ihrer Freunde wird verletzt. Dorit blutet stark, weint vor Schmerzen. Im Volkspolizei-Krankenhaus in Berlin-Mitte, in das sie gebracht wird, erliegt Dorit ihren schweren inneren Blutungen. Die anderen Flüchtlinge werden von einem DDR-Gericht zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt. Die an der Tat beteiligten Grenzsoldaten werden nach der „Wende“ zu Freiheitsstrafen verurteilt, diese jedoch zur Bewährung ausgesetzt.

In Erinnerung an Dorit Schmiel und ihr Schicksal trägt die Finisher-Medaille 2017 ihr Konterfei.